Vorwort
Hätte ich es damals schon geahnt, wäre ich lieber in den Biergarten gegangen, anstatt mich mit
diesem kleinen Ausflug ins Bairische zu befassen.
Vom Aussterben der bairischen Mundart ist die Rede. Horrorvision oder nicht mehr aufzuhaltende
Wirklichkeit? Andererseits finden nicht bairisch Sprechende den hiesigen Dialekt angenehm und
spielen sich womöglich mit dem Gedanken, wenigstens ein paar Wörter davon in Ihren
Sprachgebrauch zu übernehmen. Falls dem so ist, hoffe ich Ihnen ein bisschen weiterhelfen zu können.
Manch einer möge behaupten: Der bairische Dialekt wäre leicht zu erlernen. „Recht hat er,
der gute Mann“, könnte man ohne Zweifel darauf antworten. Allerdings wäre es vorteilhaft,
wenn Sie sich gerade - sagen wir einmal - ungefähr im zweiten Lebensjahr befänden.
Dem Bairischlernenden geht es wie dem Schafkopfanfänger. Zunächst sitzt er als fünfter Mann
am Tisch, verfolgt das Spiel und sieht, oder besser gesagt, hört aufmerksam zu, um zwischen den
Spielen vorsichtig und mit Bedacht Fragen zu stellen. Nach einigen Treffen, darf er schon
einmal „aufheben“ (einspringen), welches ihm bei Spielfehlern einen gnadenlosen Rüffel einbringen wird.
Sofern er lernbegierig ist, wird er sich, nachdem er angemessen Lehrgeld bezahlt hat, allmählich als
Spieler zu behaupten wissen.
So, oder ähnlich kann es Ihnen als Bairischlernenden ergehen. Dennoch soll an dieser Stelle
der Leser ermutigt werden. Es wird immer reizvoll bleiben, das sprachlich „trockene“
Schriftdeutsch mit bairischen Mundartausdrücken zu schmücken. Es wäre ja möglich, dass gerade
Sie besonders sprachbegabt sind und außergewöhnlich schnell Erfolge verzeichnen werden.
Ein „Hineinschnuppern“ ins Bairische hat, meines Wissens jedenfalls, noch niemandem
geschadet und bringt vor allem eines - Spaß.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg mit der bairischen Mundart.
Pack ma's o.
Aller Anfang ist leicht.
Um sich in Bayern sprachlich anzupassen, genügt es anfangs, gewisse Wörter des alltäglichen Sprachgebrauches durch landestypische zu ersetzen.
Brötchen - Semmel
Guten Tag - Grüß Gott
Karotten - gelbe Rüben
Klöße - Knödel
Kuck mal - schau mal
Schweinebraten - Schweinsbraten
Tschüß - Servus
Wurst - Wurscht
Was wäre ein Sommer in Bayern, ohne einen zünftigen Biergartenbesuch? Sie sollten darauf keinesfalls verzichten.
Vor allem ist der Biergarten eine nicht zu vernachlässigende Möglichkeit, die sprachliche Weiterbildung voranzutreiben.
Bier ist in Bayern bekanntlich Grundnahrungsmittel und wird in Biergärten, sowie auf der Wiesn (Oktoberfest) in
Maßkrügen ausgeschenkt. Ein Maßkrug enthält, zumindest in den Biergärten, einen Liter
Bier. Gesetzt den Fall, Sie möchten in Bayern Bier bestellen, achten Sie bitte auf die
richtige Betonung des Wortes Maß.
Richtig:
Ich möchte bitte eine Maß Bier. (hochdeutsche Version)
Der Vokal a wird kurz betont und wie bei Fass ausgesprochen.
Merke: Eine frische Maß kommt aus dem Fass.
Falsch:
Ich möchte bitte ein Mahs Bier.
Das lange, stimmhafte a ist hier fehl am Platze und zu vermeiden, auch wenn’s schwer fällt.
Übrigens können Sie in "echten" bayrischen Biergärten eine mitgebrachte Brotzeit verzehren,
ohne dass Sie befürchten müssen, deshalb krumm angeschaut zu werden. Die Rechtsgrundlage dazu
erschuf König Ludwig I.
Ein Tipp
Verwenden Sie niemals das Wort Baazi als Synonym für die Bayern. Vor allem wenn
der Vokal aa noch dazu falsch betont wird. Baazi ist gleichzusetzen mit
Schlawiner und wird heutzutage relativ selten benutzt.
Aussprache
Willkommen im Schlaraffenland der Vokale und Doppellaute. Ohne deren Vielfalt, wäre der
bairische Dialekt nicht das, was er ist. Eine weitere, wichtige Rolle spielen speziell
betonte zusammengesetzte Konsonanten. Hier soll jedoch die Lautlehre nicht bis ins kleinste
Detail besprochen werden! Besonders die a-Typen der Vokale sind stark vereinfacht dargestellt.
Auf entsprechende Literatur sei hingewiesen. Absichtlich wurde auf ein Minimum reduziert und nur
auf die wichtigsten Vokale und Konsonanten eingegangen.
Man beachte auch, dass manche Wörter regional unterschiedlich ausgesprochen
werden. Wenn Sie Oberpfälzer mit Oberbayern in der Aussprache vergleichen,
werden Sie heraushören, was damit gemeint ist. Übrigens sagt man den Oberpfälzern
eine "bellende Sprechweise" nach. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund, dass
sie überall in Deutschland gern gesehen sind. Der Hund ist bekanntlich der
beste Freund des Menschen.
Hier wird auf den oberbairischen Dialekt eingegangen. Buchstaben auf die es ankommt, sind
immer fett dargestellt. Ich empfehle Ihnen, bei Unsicherheiten immer wieder zu diesem Kapitel
zurückzublättern, um bei der Aussprache der Wörter richtig zu liegen.
Vokale
a
Stimmloser, kurzer und tiefer Kehllaut. Er kann mit dem englischen Artikel a in der Betonung verglichen werden.
Beispiel: hüpfen - hupfa
aa / ah
Lang, stimmhaft. Der englische Vokal u, wie ihn der Amerikaner betont, klingt ähnlich, z.B. sun, aber ein bisschen kürzer.
Er eignet sich jedoch gut als Übung. Dieses spezielle a wird in bairischen Mundartlektüren oft auch als ah geschrieben.
Beispiel: sind - saan
e
Stimmlos, kurz. Beispiel: Semmel - Semme
ee / eh
Lang, stimmhaft. Klingt eher wie eh. Beispiel: schön - schee
i
Stimmlos, kurz.
Beispiel: freilich - freili
ih
Lang, stimmhaft, nasal. Wird fast als ih ausgesprochen. Beispiel: gewiss - gwihs, hin - hih
oh
Lang, stimmhaft, nasal. Teilweise wird das hochdeutsche a dadurch ersetzt. Beispiel: was - wohs, Rose - Rohsn
Tipp:
Stehen zwei Vokale hintereinander, wird im Bairischen immer der erste voll betont. Der folgende Vokal ist oft ein a,
welches ohnehin kurz und unbetont ist. Beispiel: Bube - Bua
Umlaute
äh
Das hochdeutsche ä wird als e, aber auch als aa ausgesprochen. Hier handelt es sich um ein spezielles,
langes ä, das wie äh ausgesprochen wird. Beispiel: böse - bähs
ö
Wird teilweise durch äh oder ee ersetzt.
Beispiel: böse - bähs, schön - schee
ü
Wird oft als ia, aber auch als u ausgesprochen. Beispiel: Grüß Gott - Griaß Gohd, zurück - zruck
Konsonanten
t
Das harte t wird meist als d ausgesprochen.
Beispiel: Mitte - Middn, Kette - Keddn
l
Wird häufig als i ausgesprochen, wenn vorher ein Vokal steht. Beispiel: Wald - Woid, Geld - Gaid
gn
Endet ein Wort mit der Silbe gen, entfällt das e und es entsteht das nasal ausgesprochene ng, wobei das g stimmlos ist.
Das e wird auch bei den Endungen ben, den, sen usw. weggelassen. Beispiel: sagen - sogn, Regen - Regn
Anmerkung
Die besprochenen Vokale und Konsonanten sollten nicht als isolierte Gebilde im Wort angesehen und ausgesprochen werden.
Es ist grundsätzlich vorteilhafter vollständige Wörter zu üben.
Vom Einfachen zum Anspruchsvollen.
Heutzutage trifft man leider kaum noch Leute an, die reines Bairisch sprechen. Manipuliert von den Medien und dem Spachjargon
der westlich orientierten Berufswelt, läuft man den „Denglish-Trends“ hinterher, um sprachlich „hip“ (auch schon ein schlimmes Wort)
zu bleiben. Das Quotendeutsch breitet sich aus und sorgt für das allmähliche Aussterben des dialektischen Kulturgutes.
aber solange die Münchner Dackel noch bairisch bellen, ist es noch nicht zu spät für eine Trendwende! Nichts desto Trotz besteht
die Möglichkeit, Bairisch mit Hochdeutsch zu vermischen. Für Lernende ist diese Tatsache anfangs sehr hilfreich. Doch erhöhte Vorsicht
ist geboten. Manche, sicherlich gut gemeinten, Satzkreationen können in die verkehrte Richtung laufen.
Ein Beispiel:
I fahre heute nach München. (Nicht verwendbar!)
Möglich wäre folgender Satz:
I fahr heut nach München. (Die beiden e am Ende müssen verschwinden.)
Steigerungen um noch bairischer zu klingen:
I fahr heut nach Minga.
I fahr heit zMinga (owi). (Hinunter - owi)
Ein weiteres Beispiel:
I rede gerne Bairisch. (Bitte vermeiden.)
Besser:
I red gern Bairisch. (Wieder einmal sind die e überflüssig.)
I red gern Boarisch.
Begrüßung und Verabschiedung.
Begrüßung
Grüß Gott - Griaß Gohd
Grüß dich (Gott) - Griaß de (Gohd)
Grüße Sie (Gott) - Griaß Eahna (Gohd)
Grüß euch (Gott) - Griaß eich (Gohd)
Verabschiedung
Pfia Gohd (urspr.: Behüt dich Gott.)
Du Form - Pfiad de (Gohd)
Höfliche Form - Pfiad Eahna (Gohd)
Gruß an mehrere Personen - Pfiad eich (Gohd)
Auf Wiedersehen - Wiedaschaugn
Servus - Kann sowohl zur Begrüßung, als auch zur Verabschiedung verwendet werden.
Wichtige Wörter
Bitte schön - Bitt schee
Danke schön - Dank schee
ja - joh
nein - naa
gut - guad
schön - schee
schon - scho
gewiss - gwihß
ich - i
ein (Ei) - oa (Oa) - Beispiel: oa Oa oder zwoa Oa - ein Ei oder zwei Eier
was - wohs
welcher - waicha
wieviel - wiavui
wohin - wohi
nichts - nix
nicht - need
Wetter
In Bayern, wie auch anderswo, ist die Beurteilung des Wetters ein wichtiges und keinesfalls zu vernachlässigendes Thema.
Besonders hervorzuheben ist der allseits bekannte Föhn, ein warmer Fallwind aus den Alpen, der häufig für unterschiedliche
Kurzzeitgebrechen verantwortlich gemacht wird.
Letzte Woche war es (richtig) kalt.
Letzte Woch wars (gscheit) koid.
Lange wird es nicht mehr dauern, bis es schneit.
Lang werds nimmer dauern, bis’s schneibt.
Manche Menschen behaupten, den kommenden Schnee riechen zu können.
So ein Sauwetter heute.
A so a Sauweda heit.
Der kalte Wind tut meinem Hals gar nicht gut.
Da koide Wind tuat meim Hois gar need guad.
Wenn wir Glück haben, regnet es heute nicht mehr.
Wenn ma Glück hobn, regnts heit nimmer.
Heute ist es sehr nebelig.
Da Näwe is aber heit arg. (Das b wird zum w / Nebel - Näwe)
Heute ist ein sonniger Tag.
D Sunn scheint heit schee.
Gestern war es sehr heiss.
Gestign wars gscheit hoass.
Zahlen
1 - oans
2 - zwoa
3 - drei
4 - vier(e)
5 - fimf(e)
6 - sechs(e)
7 - siem(e)
8 - acht(e)
9 - nei(ne)
10 - zehn(e)
20 - zwanzg(e)
30 - dreißg(e)
40 - vierzg(e)
50 - fuchzg(e)
60 - sechzg(e)
70 - siebazg
80 - achzg(e)
90 - neinzg(e)
100 - hundat
1000 - dausat
Uhrzeit
„In Bayern gehen die Uhren rückwärts“, ist ein bekannter Spruch unbekannter Herkunft.
Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine wahnwitzige Erfindung der Souvenirindustrie,
um die Kauflust der Bayerntouristen zu steigern. Dennoch ist es nicht immer einfach die
Uhrzeit richtig zu deuten. Sogar eingefleischte Bayern haben damit oftmals Probleme.
Beispiele:
halb vier = hoib viere oder hoibe viere
dreiviertel vier = dreiviertel viere
In diesen Beispielen ist es klar ersichtlich, dass die genannte, volle Stunde noch nicht vollendet ist.
Hoib viere = 3:30 Uhr bzw. 15:30 Uhr.
Dreiviertel viere = 3:45 Uhr bzw. 15:45 Uhr.
Logisch wäre demnach, wenn man 15:15 Uhr als viertel viere bezeichnen würde.
Dies ist aber nicht überall in Bayern so!
In manchen Regionen ist damit 16:15 Uhr (viertel nach viere) oder ganz exotisch auch
15:45 Uhr (viertel vor viere) gemeint!
Jegliche Erklärungsversuche dieser bayrischen Eigenart sind grundsätzlich zum Scheitern
verurteilt. Am besten hinnehmen und bei Missverständnissen nachfragen.
Nicht mehr häufig bekommt man auf die Frage nach der Uhrzeit als Antwort, dass es
zehn auf sieme sei. Zehn Minuten auf sieben, also 6:50 Uhr. Eigentlich schade.
Speisen und Getränke
Essen hält Leib und Seele zusammen, besagt eine alte Volksweisheit. Aus diesem Grund sollten Sie sich auf keinen Fall die typisch bayrischen Gerichte und das, Gott sei Dank, immer noch nach dem Reinheitsgebot gebraute Bier entgehen lassen. Was viele nicht wissen ist, dass Bayern eine unvergleichliche Sortenvielfalt an Wurst hat. Den höchsten Bekanntheitsgrad hat gewiss die Weißwurst erreicht. Wenn Sie Weißwürste genießen wollen, gibt es Einiges zu beachten. Eine alte Regel besagt, dass die Weißwurst das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören darf. Ausnahmen werden jedoch, dank der Erfindung des Kühlschrankes, mittlerweile toleriert. Auch trifft man kaum mehr Personen an, welche die Würste unter Zuhilfenahme der Zähne aus dem Wurstdarm saugen. Diese ursprüngliche Form des Genusses, nennt man übrigens „zuzeln“. Ein nicht zu verzeihender Fehler wäre, die Weißwurst in scharfem Senf, Ketchup oder gar in Mayonnaise zu ertränken. Traditionsgemäß wird süßer Senf gereicht. Zusätzlich gilt noch absolutes Salz- und Pfefferverbot! Zur Weißwurst schmeckt am besten eine frische Breezn und natürlich ein Weißbier.
Schweinsbrohn
Schweinebraten - schmeckt am besten mit Kruste und dunkler Biersoße.
Sauabrohn
Rinderbraten mit saurer Soße.
Kneedl
Kartoffelknödel
Semmekneedl
Aus harten Semmeln, Ei, Petersilie und angeschwitzten Zwiebeln hergestellte Knödel - passen gut zu Sauerbraten,
Wildgerichten oder Pilzbrühe (Schwammerlbriah).
Schwaammalbria
Pilzbrühe mit saurer Soße.
Weißwiascht
Weißwürste
Schweinswiaschtl
Bratwürste (besonders schmackhaft mit Sauerkraut und Breze)
Wurschtsolohd
Wurstsalat (dünngeschnittene Lyonerscheiben mit Zwiebelringen, in Essig und Öl)
Lebakaas
Leberkäse (warm oder kalt, meist mit Senf serviert oder auf Semmel)
Greichats
Geräucherter Schinken, Geräuchertes.
Obaazda
Reifer Camembert mit Paprika, Butter, Salz und feingehackter Zwiebel vermischt, (zsammbaatzt).
Raadi / Raadiesal
Rettich und Radieschen
Breezn
Breze
In einer Gaststätte
Dürfen wir uns zu Ihnen setzen?
Deaf ma uns zu Eahna (dazua) sitzn?
Würden Sie uns bitte die Speisekarte bringen.
Taatn S uns bitte d Speiskartn bringa.
Ich möchte bitte einen Schweinebraten und eine halbe Bier.
I mechat bittschee an Schweinsbrohn und a hoibe Bier.
Bringen Sie mir bitte ein Paar Weißwürste und ein Weißbier.
Bringa S ma doch bittscheen a Poa Weißwiascht
und a Weißbier.
(Das P in Poa – Paar, wird nahezu als B gesprochen.)
Wir möchten gerne bezahlen.
Mir mechatn gern zoin.
Die Rechnung bitte. (Würden Sie uns bitte die Rechnung bringen.)
Taatn S uns bittschee d Rechnung bringa.
Hat es Ihnen geschmeckt?
Hohd's Eahna gschmeckt?
Ja (sehr) gut.
Joh (sehr) guad.
Oder:
Gut war es.
Guad war's.
Falls es einmal nicht nach Ihrem Geschmack war, bietet sich Folgendes an:
Es war genießbar. (Es hat gepasst.)
Hohd baasst. (gepasst - baasst)
Besonders schmackhaft war es nicht.
Bsonders gschmaackig war's (jetz) need.
(Das ck wird fast als g gesprochen.)
Dem Hund hat es geschmeckt.
Am Hund hohd's gschmeckt.
(Falls Sie einen Hund dabei haben.)
Der Salat hat geschmeckt.
Da Solohd hohd gschmeckt.
(Wenn der Salat nicht Hauptgericht war und Sie ohne Hund unterwegs sind.)
Soweit ich die bayrische Gastronomie beurteilen kann, werden Sie diese Redewendungen
in den meisten Fällen nicht anwenden müssen.
Verwendung von mögen:
Ich mag / möchte
I mog / mechat
Du magst / möchtest
Du mogst / mechatst
Er, Sie, Es mag / möchte
Der, De, Es mog / mechat
Wir mögen / möchten
Mir megn / mechatn
Ihr mögt / möchtet
Ehs mechts / mechats
Sie mögen / möchten
De megn / mechatn
Bairische Besonderheiten
Zur allgemeinen (aber unbeabsichtigten) Verwirrung der Norddeutschen, werden im Bairischen
gewisse Redewendungen benutzt, die auf den ersten Blick einen anderen Sinn ergeben.
Doppelte bzw. mehrfache Verneinung bleibt einfache Verneinung:
Das täte mir gar nie nicht einfallen.
Des taat ma gar nia need eifoin.
Es handelt sich dabei vielmehr um eine Verstärkung der Verneinung.
Paradox scheinende Aussagen:
Gehe weiter Bube, bleib stehn.
Geh weida Bua, bleib steh.
Ein norddeutsches Kind wäre sicherlich verwirrt nach dieser elterlichen Anweisung. Übersetzen
könnte man den Satz eher mit: „Mach zu, Junge bleib stehen.“ (Beispielsweise vor einer roten Ampel.)
Übrigens wird in Bayern der Ausspruch: „Geh weida“ auch als Synonym für „Beeil dich!“, bzw. „Hör auf!“
verwendet. Die Betonung ist dabei entscheidend.
Scherzhafte Aussagen:
Fangt an, dass es aus wird.
Fangts o, dass s aus werd.
Das Fussballspiel dauert noch eine ganze halbe Stunde.
Des Fuassboispui dauert noh a ganze hoibe Stund.
Möchtest du eine halbe Halbe oder eine ganze Halbe?
Möchst d a hoibe Hoibe, oder a ganze Hoibe?
Hab ich gesagt, sage ich.
Hob i gsagt, sog i.
Anmerkungen zur bairischen Mundartliteratur.
Falls Sie sich für bairisch verfasste Literatur interessieren, werden Sie über das reichhaltige
Angebot erstaunt sein. Als Übungslektüre zu empfehlen sind bairisch geschriebene Gedichtbände
und Kurzgeschichten. Jedoch ist die Schreibweise der bairischen Wörter nicht genormt. Aus diesem
Grund werden Sie Dialektwörter in unterschiedlichen Schreibvarianten vorfinden. Um bairisch
Geschriebenes flüssig zu lesen, ist deshalb eine gewisse Phase der Eingewöhnung notwendig.
Personen, die bereits Bairisch beherrschen, bleiben davon leider auch nicht verschont. Aber der
Aufwand lohnt sich. Die bayrische empfindende Seele, lässt sich oftmals nur im Dialekt vermitteln.
Viele Autoren orientieren sich grundsätzlich an der hochdeutschen Schreibweise und
ersetzen nur Buchstaben die unumgänglich sind, um das baierische Wort zu erkennen.
Bei Literaten mit Vorliebe zur Lautschreibweise wird die Angelegenheit relativ undurchsichtig. Vor allem
dann, wenn die Wörter grundsätzlich kleingeschrieben werden.
Beispiele unterschiedlicher Schreibweisen:
nicht - net, ned, need, nehd
gut - guat, guad
schlampig - schlampert, schlampat, gschlambad
das - des, dees, dehs, dös
gewiss - gwiss, gwieß, gwies
Nebel - Näbe, Nähbe, Näwe, Nähwe
muss - muass, muas, muaß
verrückt - varruckt, varuckt, varuggd
denken - denka, dengga
Kleiner Exkurs ins Oberpfälzische
Zum Abschluss habe ich mir erlaubt, ein paar Anmerkungen zum oberpfälzer Dialekt niederzuschreiben. Es sei mir vergönnt,
da ich in Weiden geboren und aufgewachsen bin. Oberpfälzern wird nachgesagt, dass sie bellen. In der Tat wird das sogenannte
ou vielfach angewendet. Man kann es in etwa mit der Betonung von gewissen englischen Wörtern
vergleichen.
Zum Beispiel: /show - obpf.: Schou - Schuhe/
Ein weiteres Beispiel wäre: /rain(bow) - obpf.: bou - Bube, Junge/
Weitere Wörter mit dem Diphthong ou:
da - dou
froh - frou
Kuh - Kou
Ruhe - Rouh
Ein zweiter wichtiger Doppellaut im oberpfälzer Dialekt ist das ej.
Auch dazu gibt es ähnliche Betonungen im Englischen: /day - dej - die/, /way - wej - weh, wie./
Beispiel: o wej - o weh.
Wortbeispiele mit ej:
gehen - gej - (gej zou - geh zu)
grün - grej
Kühe - Kej - (Kuh - Kou)
Reh - Rej
Als würde es nicht schon genügen, werden im Oberpfälzischen zusätzlich Dreilaute verwendet. An das ou oder ej wird
ein kurzes a anghängt. Aus ou wird oua, aus ej wird eja.
Beispiele mit Dreilauten eja und oua:
Bier - Beja - (für eingefleischte Oberpfälzer)
närrisch, durchgedreht - dejad
Haare - Houa
Krähe - Kroua
Typische Wörter aus der Oberpfalz, die mir in Erinnerung geblieben sind.
Azejchzeich - Anziehzeug, Kleidung
Beja - Bier
Bläwan - Beppn, Lippenherpes
Bleschl - Zunge
Bloudan - Blase
Braackl - großer Mensch oder großes Tier (z.B. Fisch)
Brennestara - Rausch
Bumpl - Unterhose, Schellnass beim Schafkopf
daloibld - Gefühl der Niedergeschlagenheit, auch verunglückt
dejad - durchgedreht
diaz - ihr
Dotsch - Reibekuchen
Duschara - Regenguss
eine dejdan - hinein penzen (von Neuntöter - Nejtejda)
eppa denasd - gerade geshalb
Fejchtnmoped - Kettensäge, Fichtenmoped
Flejnggirgl - unzuverlässiger Bursche, Luftikus (Fliegengeorg)
gej zou - geh zu, hör auf
gellns - nicht wahr
Gischpl - Dummkopf
Gloifl - ungehobelter Mensch, Rüpel
gnaamd - genickt
graald - kratzt
Grantniggl - grantiger Mensch
Guggan - Tüte
Hejdlbrumma - dummer Mensch mit eigenen Ansichten, Ignorant
Henastewara - lautes Moped
Hetschara - Schluckauf
hoigl - verzogen, oft auf Nahrung bezogen
Hodern - Lappen
Hulla - Holunder
Lettn - Schlamm, Lehm (Donalettn)
Michada - jemand, den man mag (meistens ein Kind)
Moidl - Mädchen
mou - muss
Mülchscheggl - Löwenzahn
niad - nicht
No - Naab
Noutfiggl - Geizkragen
ouwejla - o weh
Ou leck - Ausdruck des Erstaunens
Pfitscherpfaal - schneller Pfeil
Rotzlöffl - ungezogener Bursche
Rouchl - gieriger Mensch
Schtojna - Steine
Tschaaran - Spiel mit Münzen im Sand
Zintara - ordentlicher Rausch
Zoigl - oberpfälzer Biersorte - in Kommunbrauhäusern gebraut
Zougroaste - Zugereiste
Zwiamasgirgl - verwirrter Bursche
vüll, vll - viel (das ü ist nicht hörbar)
wief - schlau
Oberpfälzer Sprüche und Ausdrücke
Kirwa, Kirwa lou niad nou, bleib no a bisserl dou.
Wenn da Hund niad gschissn hätt, hejd a d Wurscht dawischt.
Wisst es scho wos wird? "Mir iss wurscht", antwortet der angehende Vater, "Hauptsach gsund is da Bou."
So genga dej Gang. - So ist das Leben.
Halt dei Fozn. - Halt deinen Mund.
Oina wej da wech(d)a. - Einer wie der andere.
Fohrts diaz zum DEZ? - Fahrt ihr zum DEZ? (DEZ = Donaueinkaufszentrum)
Lou ma mein Rouh. - Lass mir meine Ruhe.
Zum Schluss darf ein bekannter Verstext nicht fehlen. Nach dem Motto: "Soch amal wos auf Oberpfälzisch."
Is des woua,
dass a Kroua
in am Joua
hinterm Oua
a Büschl Houa
wachsn loua
ka.
Viel Spaß beim Übersetzen.
Ich hoffe, dieser kleine Exkurs ins Baierische hat Ihnen ein bisschen Spaß gemacht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen
weiterhin viel Erfolg mit dem Bairischen und eine schöne Zeit.
Ihr Wolfgang Ammer
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